Event:Mir - das Dorf und die Welt – eine künstlerische Entdeckung des russischen Dorfes im Gedenkjahr 1917 - 2017
Beginn: Do, 05. Oktober, 2017
Ende: Mi, 28. Februar, 2018
Stadt: Krasnojarsk
Kategorie: Bildende Kunst / Multimedia / Film
 

Spezialprojekt der 12. Krasnoyarsker Museumsbiennale

Kuratorenteam: Maria Bukova, Ursula Hübner, Sabine Jelinek, Sergey Kovalevsky, Simon Mraz, Svetlana Teylor,Vladimir Tarnopolski, Tobias Urban, Astrid Wege, Karin Zimmer

Impulstext “Das russische Dorf und die Revolution”: Orlando Figes

Projektidee: Simon Mraz

Ort: Museumszentrum Krasnoyarsk

Ausstellungsdauer: 6. Oktober 2017 – 28. Februar 2018

Ausstellungseröffnung: 5. Oktober 2017, 19:00, gemeinsam mit der Eröffnung der 12. KrasnoyarskerMuseumsbiennale

Der Titel: Mir bedeutet, wie viele auch nicht Russischsprachige wissen, „Welt“ und zugleich „Frieden“, aber selbst so manche Russisch Sprechende wissen nicht, dass Mir auch die Bezeichnung für „obschina“, das alte russische Dorf ist. Es bedeutet eine in sich geschlossene, auf uraltem Brauchtum basierende Welt, in der man Frieden inleben kann.

Die Aufgabenstellung: Schon diese Wurzel des Wortes Mir weist auf die kulturelle Bedeutung des russischen Dorfes für die Gesamtheit der russischen Kultur hin. Dieser vergessene Aspekt macht neugierig. Die Fragestellungen des Ausstellungsprojektes sind: Was bedeutet „russisches Dorf“ im kulturellen Kontext?Hier stoßen wir auf eine Vielfalt an Realitäten und Geschichten, die wir aus unserem (westlichen) Kulturkreis nichtkennen und die in der kulturellen Diversität wurzelt, allein schon bedingt durch die flächenmäßige Größe desrussischen Staates. Neben dem klassischen Dorf (das Uchma Dorf Museum ist hier vielleicht das anschaulichste Beispiele in Russland überhaupt) gab es den aristokratischen Landsitz. In den Weiten des russischen Reiches erhielten sich aber darüber hinaus Formen dörflichen Zusammenlebens, die den ansässigen Völkern und deren Kulturen entsprachen, seien es Tataren, Yakuten, Schamanen oder inspäterer Zeit etwa Altgläube. Letzere etwa entzogen sich nach der Abspaltung von der im 17. Jahrhundertreformierten orthodoxen Kirche der Verfolgung durch Flucht in schwer zugängliche Wälder, etwa im fernen Sibirien,wo sie bis heute ihre Kultur und Bräuche im dörflichen Gemeinwesen leben.

Eine gewaltige Zäsur war die russische Revolution. Der Historiker Orlando Figes legt in seinem für das Ausstellungsprojekt verfassten Beitrag die Bedeutung gerade der ruralen Bevölkerung Russlands für die Revolution dar: Die Revolution speiste sich vielfach aus den dörflichen Bevölkerungsschichten. Einerseits drängten diese in die Städte, andererseits fanden verschiedentliche gravierende Umbrüche auf dem Landselbst statt, die wieder essentielle Erschütterungen für das ländliche Gesellschaftsgefüge mit sich brachten. Schon bald nach der Revolution ereilte die Industrialisierung das Dorf, das wohl radikalste und zugleich brutalsteg esellschaftspolitische und wirtschaftliche Experiment der Neuzeit,welches unter dem Begriff der Kollektivierung zusammengefasst wird. Sie führte zur weitgehenden Zerstörung der althergebrachten dörflichen Strukturenund schuf das Kolchosensystem, das sich ganz entscheidend bis auf die heutige Realität des ländlichen Lebens inRussland auswirkt.Das sowjetische System hat darüber hinaus Sonderformen dörflichen Lebens und der sozialen Strukturhervorgebracht, wie etwa die Datschensiedlungen einzelner Innungen, solche etwa für Dichter oder Musiker, aberauch für Dissidenten, die sich aus Furcht vor Repressalien aus der Hauptstadt Moskau in Dörfer zurückzogen. Schließlich stellt sich die Frage nach der Realität verlassener Dörfer oder solcher, in denen es kaum Arbeit oderZukunft gibt. Ein ganzes Leben würde nicht ausreichen, um das Thema gründlich zu behandeln. Im Rahmen des Mir-Projekteswerden einige der hier genannten Aspekte aus künstlerischer Sichtweise thematisiert. Künstler aus Russland, Österreich, Deutschland, den Niederlanden waren dafür in ganz Russland über zwei Jahre unterwegs: in Sibiriens Wäldern, im Ural, im fernen Yakutien und an vielen anderen Plätzen. Das Mir Projekt stellt den ersten umfassenden internationalen Versuch einer künstlerischen Aufarbeitung des Themas "Dorf" aus der Perspektive internationaler zeitgenössischer Kunst dar. Die Resultate werden als Ausstellung zusammengefasst am wohl passendesten Ort, den es für genau dieses Projekt im Jubiläumsjahr der Revolution gibt, dem Museumszentrum Krasnoyarsk, gezeigt. Der musikalische Teil des Projektes findet in November dieses Jahres im Rachmaninov Saal des Tschaikowski Konservatoriums statt. (Text: Simon Mraz)

KünstlerInnen:Alexandra Anikina (Russland), Veronika Allmayr-Beck (Österreich), Blue Noses (Russland), Elena Chernycheva (Russland), Club Fortuna (Xenia Lesniewski, Julia Rublow, Sarah Sternat – Österreich), Ilya Dolgov (Russland), Benjamin Eichhorn (Österreich), GELITIN (Österreich), Sergey Kishtshenko (Russland) gemeinsam mit RESANITA (Anita Fuchs and Resa Pernthaller – Österreich), Evelyn Loschy (Österreich), Boris Matrosov (Russland), Alexandra Paperno (Russland), Alexander Plusnin (Russland), Gregor Sailer (Österreich), Viktor Sachivko (Russland), Antje Schiffers (Deutschland), gemeinsam mit Kathrin Böhm (Griechenland/Großbritannien) und WapkeFeenstra (Niederlande), Elisabeth Schimana, Markus Seidl (Österreich), Olesya Rostovskaya(Russland), SCHULLER&HANAKAM (Roswitha Schuller und Markus Hanakam – Österreich), Vasily Slonov (Russland), Dmitry Starusiev (Ukraine), Alexander Surikov (Russland), Leonid Tishkov (Russland), Danila Tkachenko (Russland), Where the Dogs Run (Russland), Arnold Veber (Russland), Jasmijn Visser, Stefan Schafer (Niederlande), Anya Zholud (Russland)

KünstlerInnen des Spezialprojektes “Laktose, Osmose, Kolchose” kuratiert von Ursula Hübner, Tobias Urbanand Sabine Jelinek (Kunstuniversität Linz, Österreich):Sylvia Berndorfer, Stefan Brandmayr, Georg Holzmann, Katharina Kaff, Alexandra Kahl, Melanie Ludwig, Leo Lunger, Veronika Sengstbratl, Julia Zöhrer, Maria Zhariy

Dieses Projekt ist eine Kooperation von: Ministerium für Kultur der Region Krasnoyarsk, Museumzentrum Krasnoyarsk “Mir”- Platz Nr. 1, Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Österreichisches Kulturforum Moskau, Botschaft der Niederlande in der Russischen Föderation, Goethe Institut Moskau, Universität für Kunst und Design Linz, University of Art and Design in Linz, Abteilung für Bildhauerei – transmedialer Raum (Univ.Prof.Tobias Urban, Univ.Ass. Liesl Raff) and Abteilung für Malerei und Graphik(Univ.Prof. Ursula Hübner, Univ.Ass. Sabine Jelinek), Zentrum für Moderne Musik am Tschaikowski Konservatorium, Moskau Staatliches Puschkin Museum für Bildende Künste, Museum Abramtsevo, Utschma Dorf Museum, Schiraewo Biennale für Zeitgenössische Kunst, Samara/ Central Volga Branch of the National Centre for Contemporary Arts-Rosizo

Dieses Projekt findet im Rahmen des Gedenkens an 500 Jahre diplomatische Mission des österreichischen Gesandten Sigismund von Herberstein in Russland statt und ist Teil des offiziellen Programms des Österreichisch-Russischen Tourismusjahres 2017.

 
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